Fleisch essen

Hirn in Apfel
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Liebe Freunde der Bremer Bio-Manufaktur,

wer das grandiose Erstlingswerk „Everything is Illuminated“ von Jonathan Safran Foer gelesen hat, wird sich an die Szene erinnern, in welcher der amerikanische „Held“ versucht seine beiden ukrainischen Begleiter darüber zu informieren, dass er kein Fleisch isst. Einer der Ukrainer fungiert dabei als Ich-Erzähler (deshalb das etwas verdrehte Englisch mit seinen lustigen Doppeldeutigkeiten), der andere, dessen Großvater, versteht kein Englisch.

Die Szene verläuft in dieser Weise: „I am vegetarian.“ „I do not understand.“ „I don’t eat meat.“ „Why not?“ „I just don’t.“ „How can you not eat meat?“ „I just don’t.“ „He does not eat meat,“ I told Grandfather. „Yes he does,“ he informed me. „Yes you do,“ I likewise informed the hero. „No. I don’t.“ „Why not?“ I inquired him again. „I just don’t. No meat.“ „Pork?“ „No.“ „Meat?“ „No meat.“ „Steak?“ „Nope.“ „Chickens?“ „No.“ „Do you eat veal?“ „Oh God. Absolutely no veal.“ „What about sausage?“ „No sausage either.“ I told Grandfather this, and he presented me a very bothered look. „What is wrong with him?“ he asked. „What is wrong with you?“ I asked him. „It’s just the way I am,“ he said. „Hamburger?“ „No.“ „Tongue?“ „What did he say is wrong with him?“ Grandfather asked. „It is just the way he is.“ „Does he eat sausage?“ „No.“ „No sausage!“ „No. He says he does not eat sausage.“ „In truth?“ „That is what he says.“ „But sausage…“ „I know.“ „In truth you do not eat any sausage?“ „No sausage.“ „No sausage,“ I told Grandfather. (In meiner Taschenbuchausgabe von Penguin 2003 findet sich diese Szene auf Seite 65).

Die Szene geht weiter – es werden auch noch die Schwierigkeiten in einem ukrainischen Restaurant geschildert, und die vegetarische Ernährung des „Helden“ wird auch sonst immer mal wieder als running gag verwendet.

Man könnte nun auf die Idee kommen, der Autor mache sich über amerikanische Vegetarier lustig. Allerdings ist Jonathan Safran Foer selbst überzeugter Vegetarier und hat mit seinem Buch „Eating Animals“ vielleicht das beste, beunruhigenste und überzeugendste Plädoyer für eine fleischlose Ernährung geschrieben, das je erschienen ist.

Die oben dargestellte Szene sagt trotzdem einiges über Foer aus. Nicht nur, dass er sich und seine Ansichten nicht allzu ernst nimmt, er kann auch andere Ansichten und Kulturen anerkennen. Der „Held“ und seine Ansichten werden in der Szene nicht als besser oder überlegen dargestellt, als die ukrainischen Begleiter und ihr totales Unverständnis.

Selbst in seinem Buch „Eating Animals“, besonders aber in Interviews zu diesem Thema, gelingt es Jonathan Safran Foer  eine klare, gut begründete Meinung emotional zu vertreten, ohne anderen Meinungen und Lebenseinstellungen grundsätzlich die Legitimität abzusprechen.

In Deutschland, so scheint mir, ist eine solche Haltung unpopulär. Vegetarier, zumindest solche, die sich öffentlich zu dem Thema äußern, arbeiten hier gerne mit dem Holzhammer.

Die Bremer Bio-Manufaktur verarbeitet auch Fleisch. Wir veröffentlichen die Herkunft und es kann jeder nachprüfen, wie die Tiere gehalten werden. Wir sind allerdings auch jederzeit an einem Meinungsaustausch mit Kritikern der Fleischverarbeitung interessiert.
Zwei Positionen, die in der Tierethikdebatte immer wieder auftauchen, machen einen echten Dialog allerdings besonders schwierig. Ich möchte hier zumindest eine Richtung andeuten, wie man diese Positionen hinterfragen kann.
Die erste Position behauptet eine aus moralischer Perspektive weitgehende Identität von Tier und Mensch. Was man aus moralischen Gründen einem Menschen nicht antun dürfe (also z.B. ihn mästen, töten und essen), dürfe man deshalb einem Tier auch nicht antun.
Die zweite Position verweist auf den fließenden Übergang zwischen Mensch und Tier. Wieso, so das Argument, dürfe man eine Kuh töten, nicht aber ein kleines Kind, das auf einer ähnlichen kognitiven Stufe steht? Oder einen entsprechend geistig Behinderten. Gibt es da nicht ein Abgrenzungsproblem, das uns letztendlich in Richtung einer Annahme von unwertem Leben auch beim Menschen schlittern lässt?

Bei der ersten Position kommt es natürlich entscheidend darauf an, was man als moralische Perspektive bezeichnet. Schließt man sich z.B. der Moraltheorie eines Immanuel Kant an, so sind Tiere außen vor. (Es wird zwar immer mal wieder das Gegenteil behauptet, allerdings zu Unrecht. Das Thema würde aber mindestens einen eigenen Blogbeitrag erfordern).

Aber auch ohne sich auf eine bestimmte Theorie festzulegen: es erscheint mir grundsätzlich zweifelhaft, dass eine moralische Betrachtung bei Tieren und Menschen zu den völlig gleichen Ergebnissen kommen kann.

So enthält unsere alltägliche moralische Praxis ein Element der Gegenseitigkeit. Einen moralisch schlechten Menschen dürfen wir anders behandeln, als einen moralisch guten. Und einen moralisch guten Menschen sollten wir anders behandeln als einen moralisch schlechten. Das hat etwas damit zu tun, dass sich der Mensch auch zu einer anderen Handlung hätte entschließen können. Wir können ihn also für seine Handlungen verantwortlich machen und unser moralisches Urteil entsprechend anpassen. Einen Serienmörder wie Charles Manson dürfen wir einsperren, wir dürfen seine Handlungsfähigkeit und seine Freiheit beschneiden, ja vielleicht dürfen wir ihn sogar töten. Es ist nicht notwendig moralisch falsch diese Dinge zu tun und unter Umständen ist es sogar moralisch geboten. (Ich spreche hier nicht von der rechtlichen Seite, die, besonders in Bezug auf Tiere, nochmal ein ganz anderes Thema ist.) Unser moralisches Urteil darüber, zu welchen Handlungen wir einer anderen Person gegenüber berechtigt sind, richtet sich also  – zumindest teilweise – danach, welche moralischen Entscheidungen diese Person zuvor getroffen hat.

Krähenvögel gehören zu den intelligentesten Tieren der Welt. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, sie für ihre Handlungen moralisch zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Wer schon einmal beobachtet hat, wie eine Krähe einem geschwächten aber noch lebenden Tier die Augen aushackt, nicht weil sie grausam ist, sondern weil die Augen eben den einfachsten Zugang zur Nahrung bieten; wer beobachtet hat, wie die Krähe kurz zuhackt und sich dann über dem schreienden Tier aufrichtet und sich umsieht, ob vielleicht  Nahrungskonkurrenten abgewehrt werden müssen, der wird eine moralische Gleichsetzung von Mensch und Tier zumindest anzweifeln.

Wird man sich aufgrund der Handlung dieser Krähe dazu berechtigt sehen, sie einzusperren oder zu töten? Mit anderen Worten – hätte man sie nicht dabei beobachtet, wie sie das Tier quält, wäre man zu weniger berechtigt? Obwohl man weiß, dass Krähen so etwas tun? Sperrt man sie ein, um sie zu bestrafen? Um sie zu bessern? Klar scheint mir zu sein, dass wir hier auf einer anderen Grundlage urteilen müssen als beim Menschen, denn eine Krähe trifft keine moralischen Entscheidungen.

Ich will hier gar keine Antworten oder Schussfolgerungen präsentieren. Ich will nur darauf hinweisen, dass wir bei unseren Urteilen darüber zu welchen Handlungen wir anderen Lebewesen gegenüber moralisch berechtigt oder verpflichtet sind, sehr wohl und mit guten Gründen unterscheiden, ob wir es mit Menschen oder Tieren zu tun haben.

Die zweite Position, die ich hier betrachten möchte, argumentiert wie folgt: wann immer wir Eigenschaften von Tieren benennen, die es uns angeblich erlauben sollen, diese anders zu behandeln, als Menschen, gibt es immer auch Menschen, z.B. Kinder oder Behinderte, die diese Eigenschaften ebenfalls haben. Das Argument müsste dann also auch für diese Menschen gelten.

Nun ist ein Abgrenzungsproblem zumeist noch kein grundsätzliches Sachproblem: Wir können zu bestimmten Zeiten genau sagen, ob es gerade Tag oder Nacht ist. In Zeiten der Dämmerung können wir das nicht. Ein genauer Zeitpunkt des Tages- und Nachtbeginns muss definitorisch festgelegt werden und ist einigermaßen beliebig. Diese Tatsache hindert uns nicht daran zumeist mit großer Sicherheit zu wissen, ob es Tag oder Nacht ist.

Es gibt also nicht unbedingt einen Mechanismus durch den wir gezwungen sind aufgrund von Abgrenzungsproblemen zwischen Mensch und Tier für eine Gleichbehandlung zu plädieren.

Es ist allerdings kaum zu bestreiten, dass es moralische Abgrenzungsprobleme gibt. Die gibt es aber nicht nur zwischen Mensch und Tier sondern auch menschenspeziesintern. Denn auch da ist die Antwort auf die Frage, wann man mit einem Menschen etwas tun darf (aufgrund von bestimmten Eigenschaften), was man mit anderen Menschen nicht tun darf, keineswegs immer eindeutig. Die Frage, wann Spätabtreibungen moralisch erlaubt sind, ist so ein Bereich. Organspende ist ein anderer (hier wird sogar explizit mit dem Nutzen für andere Menschen argumentiert) und natürlich Sterbehilfe.

Man erinnere sich an Filme wie „Einer flog über das Kuckuksnest“ oder „Million Dollar Baby“, die sich explizit mit der moralischen Frage auseinandersetzen, wann auch ein Mensch getötet werden darf. In diesen Filmen ist die Antwort: wenn es die eigene Entscheidung des Menschen tatsächlich ist oder als solche angenommen werden kann. Hier reden wir also wieder von Autonomie – ein Kriterium, das sich auf Tiere schlecht anwenden lässt.

Es ist also durchaus möglich, dass wir für Tiere andere Kriterien brauchen, als für Menschen.

Auch hier will ich gar nicht versuchen, irgendwelche Antworten zu geben, schon deshalb, weil ich keine habe. Ich wollte nur darstellen, dass es sich um ein ziemlich komplexes Thema handelt und wir deswegen gut daran tun, eine gelassene Haltung einzunehmen, wie es einem Jonathan Safran Foer ja auch gelingt.

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Tipp der Woche: Spritztüte herstellen

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Liebe Freunde der Bremer Bio-Manufaktur,

einige unserer Produkte eignen sich hervorragend als Grundlage für Desserts oder Torten. Möchte man auf einem solchen Dessert (oder auf dem Desserteller oder der Torte) eine Verzierung aufbringen, eignet sich ein Schokoladenmuster, das mit geschmolzerner Schokolade mit Hilfe eines kleinen Spritztütchens, auf das gewünschte Objekt aufdressiert werden kann.

Dazu nimmt man am besten ein Spritztütchen, das aus einem Stück Backpapier selbst hergestellt wurde. Man benötigt ein dreieckiges Stück, dessen lange Seite (die Hypotenuse) am Ende die Spitze bildet, indem die rechte und die linke Ecke nach oben und innen eingedreht werden. Man sieht es auf dem Beitragsbild, eine genauere Beschreibung findet man hier.

Schokolade dann in einem Wasserbad schmelzen lassen, mit etwas Pflanzenöl versetzen, in das Tütchen füllen, die Spitze des Tütchens abschneiden, damit eine Öffnung in der gewünschten Größe entsteht – und losmalen!

Tipp: schmelzen Sie nicht die gesamte Schokolade auf einmal sondern schmelzen Sie zunächst einen Teil davon und rühren dann in zwei Schritten den Rest der gehackten Schokolade hinein. Dadurch entsteht der berühmte Conchiereffekt, der die Schokolade glänzen lässt.

Wir wünschen gutes Gelingen!

Rezept für Apfel-Kürbis-Chutney: Gemüse-Hamburger

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Liebe Feunde der Bremer Bio-Manufaktur,

Sie können das Apfel-Kürbis-Chutney natürlich auch einfach zu ihrem Grillfleisch genießen. Wem das zu einfach ist, findet vielleicht an dem folgenden Rezept Gefallen.

Ein Gerücht besagt, dass Hamburger Fleisch enthalten müssen, weil der Name etwas mit dem englischen ham zu tun hat. Das stimmt nicht, denn der Name kommt von den Doppelstullen, die die deutschen Einwanderer (viele von Hamburg aus gestartet) häufig mit sich führten.

Ein Hamburger ohne Fleisch ist also völlig im Rahmen des Konzeptes. Hier ein Beispiel:

Gemüseburger mit Apfel-Kürbis-Chutney

Zutaten

1 große Kartoffel, mehlig kochend

1 mittlere Karotte

1 Pastinake

2 kl. Zwiebeln

1 kl. Zucchini

1 Ei

Thymian, frisch

1 Tomate

ein paar Blätter Kopfsalat

Salz, Pfeffer, Muskat

1 Glas Apfel-Kürbis-Chutney

ein paar Burgerbrötchen (kann man mit einem einfachen Hefeteig auch selbst zubereiten – hier ein Beispiel)

Zubereitung

Kartoffel, Karotte, Pastinake und Zwiebeln schälen, Zucchini waschen und putzen. Kartoffel, Karotte, Pastinake und Zucchini mit einer groben Reibe in möglichst lange Streifen reiben. Zwiebeln fein schneiden, die Hälfte zum geriebenen Gemüse geben, den Rest beiseite stellen.

Etwas Salz zum geriebenen Gemüse geben, gut durchmengen, etwas stehen lassen (nicht zu lange, Kartoffeln oxidieren und werden braun), dann in ein sauberes Küchentuch geben und auspressen, so dass eine relativ trockene Masse im Tuch bleibt. Diese Masse in die Schüssel zurück geben, das Ei und gehackten Thymian dazugeben und alles mit Salz (falls noch nötig), Pfeffer und Muskat würzen.

Etwas Fett in eine Pfanne geben. Aus der Masse Plätzchen formen (etwas größer als der Durchmesser Ihres Burgerbrötchens), und langsam braten (bei zu viel Hitze wird die Außenseite dunkel, bevor die Kartoffel in der Masse gar ist).

Brötchen (am Besten noch warm) durchschneiden, Tomaten in Scheiben schneiden. Untere Brötchenhälfte mit etwas Kopfsalat und Tomatenscheiben belegen. etwas von der frischen Zwiebel darauf streuen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Ausgebratenes Plätzchen darauf legen. Chutney darauf verteilen und den Deckel draufsetzen. Reinbeißen.

Für eine Variante mit Fleisch – einfach 2-3 Scheiben kross gebratenen Speck in den Burger legen.

Wir wünschen guten Appetit!

Bio kontrolliert

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Liebe Freunde der Bremer Bio-Manufaktur,

gestern Abend hatte die Bremer Bio-Manufaktur einen Kontrollbesuch vom Bio-Zertifizierer. Im Falle der Bremer Bio-Manufaktur ist das der Zertifizierer ABCERT (ausgesprochen A-B-CERT).

Keine Beanstandungen (man möchte hinzufügen „natürlich“ – aber man weiß ja nie). Allerdings ein paar Hinweise, die sich hauptsächlich auf die Verwendung der Kontrollstellennummer beziehen. Diese findet man auf allen Bio-Produkten, immer unter dem EU-Bio-Logo. Sie wird mit DE-ÖKO- eingeleitet und verweist auf die Kontrollstelle, die für dieses Produkt verantwortlich ist. In unserem Falle ist es die 006, für ABCERT.

Für die Verwendung dieser Nummer gibt es feste Regeln – die im Grunde besagen, dass die Nummer (inklusive DE-ÖKO-) auf alles drauf muss, was sich nicht wehrt.

Die Kontrolleure richten sich dabei nach der staatlich festgelegten EU-Öko-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 mit ihrer Durchführungsverordnung (EG) Nr. 889/2008. Sie werden ihrerseits staatlich kontrolliert, z.B. mit stichprobenartiger Kontrollbegleitung durch einen zuständigen Beamten.

Für Bio-Produzenten wie uns gilt bei solch einer Kontrolle die Beweisumkehr. Anders als sonst in Rechtssachen muss nicht der Staat einen Verstoß nachweisen sondern der Produzent muss jeden Verdacht widerlegen können – und zwar mit den entsprechenden Nachweisen.

Die Kontrollen sind sehr genau. Beanstandet wird noch eine inkorrekte Kleinschreibung in einer internen Bestandsliste.

Wir als Bio-Produzenten sind auf diese Kontrollen und dieses Kontrollsystem angewiesen. Auch in dieser Genauigkeit und Kleinteiligkeit. Einerseits, weil wir sonst eine eigene Abteilung damit beschäftigen müssten zu überprüfen, ob jedes Schriftstück und jeder Vermerk den neuesten Anforderungen der EU-Öko-Verordnung entspricht, besonders aber, weil uns ein solches System die Scharlatane und Betrüger vom Hals hält.

Wenn einfach jeder alles „Bio“ nennen dürfte, von dem man nicht das Gegenteil beweisen kann, wären wir, die wir wirklich Bio-Lebensmittel herstellen möchten, wahrscheinlich innerhalb von drei Tagen zahlungsunfähig.

Denn woran soll der Verbraucher den Unterschied erkennen?

Wir möchten hier deshalb – gegen den vorherrschenden Strom der Meinungen – einmal ein Lob auf die EU-Bürokratie aussprechen. Nur mit ihr ist solch ein europaweites Kontrollsystem mit europaweit geltenden gemeinsamen Standards möglich geworden.

Für uns Bio-Produzenten ist das überlebenswichtig.

„Copenhagen“: Vienna Teng singt über Klimakonferenzen

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Liebe Freunde der Bremer Bio-Manufaktur,

Ende Oktober 2013 trat die großartige amerikanische Singer/Songwriterin Vienna Teng in der Music Hall in Worpswede auf. Ein denkwürdiger Auftritt – wahrscheinlich auch für die Musiker. Man sieht Vienna Teng oben auf dem Beitragsbild in der Mitte zwischen ihren beiden Mitstreitern Jordan Hamlin (linke Seite) und Alex Wong.

Besonders ihren Song „Copenhagen“ fand ich einen Blogbeitrag wert. Nicht nur, weil ihre Managerin, Amy Cox, uns während eines Mailaustauschs ein „sustainable local food enterprise which both Vienna and I support“ nannte – vielen Dank, Amy! 🙂 – sondern vor allem wegen der sympathischen Schizophrenie, die aus dem Song spricht, die mir typisch für eine bestimmte unideologische Haltung der neueren Umweltbewegung zu sein scheint.

Vienna Teng erzählte bei ihrem Auftritt in Worpswede u.a., dass sie zwar zunächst Informatik studiert habe, inzwischen aber – alles selbstverständlich neben ihrer Musikerkarriere – Umweltwissenschaften studiert und sich von ihren Studien zu einigen Songs inspirieren lässt.

Der Song „Copenhagen“, so Teng, handelt von Klimakonferenzen, insbesondere von gescheiterten Klimakonferenzen. Typisch Teng, emotionale Musikerin und rationale Wissenschaftlerin, drückt er ihre innere Zerissenheit gegenüber diesem Thema aus.

Da ist eineseits Wut und Resignation (mit vorsichtiger Hoffnung durchzogen) über die schleichenden mentalen, sozialen und politischen Prozesse, denen es nicht gelingt in angemessener Geschwindigkeit auf die Bedrohung des Klimawandels zu reagieren. Andererseits ist da die kühle Einsicht in die Vorläufigkeit aller wissenschaftlichen Ergebnisse, die rationale Erkenntnis, dass es immer berechtigte Zweifel gibt und berechtigte Interessen, die einer radikalen Lösung im Wege stehen.

Noch eine Ebene tiefer drückt Teng – so scheint mir – ihr Bedauern darüber aus, dass sie einerseits von ihren rationalen Einsichten davon abgehalten wird die eindeutige empörte Haltung radikaler Umweltaktivisten anzunehmen – dass es ihr andererseits aber auch nicht gelingt, sich emotional völlig zu distanzieren.

Die Musik, mit ihrer Mischung aus atavistischen Rhythmen und der klaren, elektronisch untermalten Melodie ebenso wie der mal bildreich poetisch verrätselte, mal mit klarer Ansprache formulierte Text, drücken diesen Dualismus aus Emotion und Ratio auch formal aus. Was will man mehr von Kunst?

Auf der oben verlinkten Homepage von Vienna Teng, kann man den Song übrigens vollständig anhören – unter: „buy the new album“, siebter Song – und natürlich auch kaufen (Stand 04.03.2014). Den Text findet man zwar im Internet, aber ich habe Vienna Tengs Managerin um eine autorisierte Version gebeten und diese unten einkopiert (für die reduzierte Interpunktion bin ich also nicht verantwortlich).

Viel Spaß beim Anhören und Miträtseln wünscht,

Gabriel Bergmann

copenhagen (let me go)

call out what we’ve become
the news has turned to numb
locked in nearsight
on the latest device
let the yet-to-be pick up the tab
say we can’t escape
though there’s plenty of space
barring holding on to what we used to have

in your head
where we’re headed
you gotta let it on by, let me go
and get it in your head
where we’re headed
you gotta let it all die, let me go

we lay it out on the map
debate it all in caps
lock our eyes on
distant horizons
where we will shift to some informed accord
in another town
settle up, settle down
we insist on the option or we’re out the door

so get it in your head…

gone it’s gone
gave in again, now let me go
gone it’s gone
gave in again, now let me go

or maybe this is a test
maybe this is a course correction
oh I said it, no no don’t let it get out of control

in your head…

this hope, it begins to know
we could return again, don’t let me go
I get it in my heart, I know we could restart
we can begin again, don’t let me go

gone it’s gone
return again, don’t let me go
gone it’s gone
begin again, don’t let me go